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Schloss Friedrichsfelde

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Grabstätte der Familie von Treskow

Ein Friedhof mitten im Tierpark Berlin

Carl von Treskow
Carl von Treskow

Er ist auf keiner Karte vom Tierpark eingezeichnet und doch ist er älter als der Tierpark selbst. Abseits vom Wege unmittelbar vor den Anlagen für Brillenbären und Eisbären befindet sich im Waldstück der Friedhof der Familie von Treskow.

Nach dem das Schloss Friedrichsfelde verschiedene Besitzer hatte, erwarb im Jahr 1816 Johann Carl Sigismund von Treskow (1787-1846) das Schloss mit den dazugehörigen Ländereien. Bis zum Tode des letzten im Schloss ansässigen Mitglieds der Familie, Sigismund von Treskow, blieb das Gut in Familienbesitz. Im Jahr 1821 ließ Johann Carl Sigismund von Treskow den Schlosspark vom Gartenbaudirektor Peter Joseph Lenné in einen Landschaftsgarten umgestalten. Im gleichen Jahr starb sein wenige Wochen alter Sohn Leopold. Mit dem Grab für Leopold entstand der Familienfriedhof. Mit der Eröffnung des Tierparks 1955 blieb die Begräbnisstätte unberührt. Es ist besonders dem langjährigen Tierparkdirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Dathe zu verdanken, dass sie noch heute besteht.

Vor dem Mauerfall war die Grabstätte nicht zugänglich. Später wurde ein kleiner Weg angelegt und Nachkommen der Familie von Treskow haben die Grabstätte ausgebessert. Auf diesem kleinen Friedhof, der mittlerweile unter Denkmalschutz steht, sind 23 Personen begraben. Auf der schweren Grabplatte des Stammvaters der Friedrichsfelder Treskows, Johann Carl Sigismund, steht die Inschrift „Er besaß Friedrichsfelde von 1816 bis 1846“. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Gut Friedrichsfelde nach den Prinzipien Albrecht Daniel Thaers zu einem Mustergut der Landwirtschaft. Er gründete 1822 eine private Landschule für verwaiste Kinder. In diese Zeit fällt auch die Gründung eines Vorwerks auf dem Weg nach Köpenick, welches später zu Ehren des Begründers den Namen Carlshorst (heute Karlshorst) erhielt. Seine Frau, Marie Julie von Treskow (1791-1852), stammte als Tochter des Großkaufmanns Jean Jouanne aus einer Hugenotten-Familie und ist direkt neben ihrem Mann bestattet.

Carl Sigismund von Treskow
Carl Sigismund von Treskow

Carl Sigismund von Treskow (1819-1882) war als einer der Söhne des ersten Rittergutsbesitzers dessen Nachfolger auf Friedrichsfelde. Unter ihm wurde Friedrichsfelde ein Treffpunkt der konservativen Kräfte des neuen Kaiserreichs. Da er mit Adelheid Gräfin von Haeseler (1833-1908) verheiratet war, hatte er beste Beziehungen zum Hof des Kaisers. Im Jahr 1880 verkaufte er Teile des Gutsgeländes an die Stadt, die hier den ersten nicht konfessionellen Friedhof Berlins eröffnete, den heutigen Zentralfriedhof Friedrichsfelde. Sein größter Verdienst war es jedoch, dass er Theodor Fontane nach Friedrichsfelde holte. Bei mehreren Besuchen Fontanes und einem Schriftwechsel entstand das Friedrichsfelde gewidmete Kapitel in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“.

Elisabeth von Kotze mit ihrem Ehemann
Elisabeth von Kotze mit ihrem Ehemann

Neben ihren vorgenannten Eltern ist Elisabeth von Kotze (1860-1922) bestattet. Sie hatte den Titel einer Ehrendame des bayerischen Theresen-Ordens inne. Der Name ihres Ehemanns, Leberecht von Kotze (1850-1920), den sie 1879 geheiratet hatte, ist mit einem der größten Skandale am deutschen Kaiserhof unter Wilhelm II. verbunden.

In mehreren anonymen Briefen wurden Mitglieder der Hofgesellschaft und der Familie des Kaisers sexueller Ausschweifungen beschuldigt. Da diese pikanten Details nicht öffentlich waren, wurde ein hochrangiges Mitglied des Hofes vermutet. Der Verdacht fiel auf den Hofzeremonienmeister Leberecht von Kotze, der daraufhin in Haft kam. Er galt in Hofkreisen als geschwätzig und war wenig beliebt. Kotze konnte jedoch nichts nachgewiesen werden und er kam wieder aus der Haft, allerdings ging als Folge des Skandals seine Ehe in die Brüche. Die Affäre erregte großes Aufsehen in der damaligen Gesellschaft.

Grabstätte der Familie von Treskow im Jahr 1934
Grabstätte der Familie von Treskow im Jahr 1934
Sigismund von Treskow mit seiner Nichte und Adoptivtochter Ursula von Sydow
Sigismund von Treskow mit seiner Nichte und Adoptivtochter Ursula von Sydow

Auch der letzte Besitzer von Schloss Friedrichsfelde, Sigismund von Treskow (1864-1945), wurde auf dem Friedhof beigesetzt. Als Landrat von Niederbarnim erwarb er sich Verdienste um die Ansiedlung von Industrie und der Erschließung der Vororte mit Straßenbahn und Eisenbahn. Gerade die Verkehrsanbindung der Vororte an die Hauptstadt war ihm ein großes Anliegen, welches die Gemeinden mit insgesamt neun Straßen-Namensgebungen dankten. Darüber hinaus war er Gründungsmitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Dahlem, der heutigen Max-Planck-Gesellschaft. Er gestattete der Bevölkerung auch den Zutritt in den Schlosspark, wobei dies auf bestimmte Areale begrenzt war. 1945 wurde er von der Roten Armee mit einem Koffer auf die Straße gesetzt. Sein Kutscher und seine Dienerin setzten ihn in einen Leiterwagen und brachten ihn nach Dahlwitz. Da er Diabetiker war und es kriegsbedingt kein Insulin zu jener Zeit gab, starb er im Mai 1945 und wurde als letzter der Familie von Treskow auf dem Friedhof beigesetzt.

Granitstein in Andenken an die Gefallenen der Familie von Treskow
Granitstein in Andenken an die Gefallenen der Familie von Treskow

Zu den erwähnenswerten Grabsteinen neben den Gräbern der Familie von Treskow gehören auch drei Gefallenendenkmäler für Mitglieder der eingeheirateten Familie Graf von Lüttichau sowie das Grab des Direktors der Junkers-Flugzeugwerke, Dr. Manfred von Sydow (1895-1943), der mit der Adoptivtochter von Sigismund von Treskow verheiratet war.

Anlässlich des 750jährigen Jubiläums vom Ortsteil Friedrichsfelde und dem 330jährigen Jubiläum vom Schloss Friedrichsfelde wurde der Friedhof restauriert. Die Initiative für die Restaurierung und die Aufstellung einer Informationstafel übernahm der Förderverein von Tierpark Berlin und Zoo Berlin e. V. Erst 2014 wurde im Zuge der Restaurierung der gesamten Grabanlage ein weiterer Gedenkstein gefunden, der ursprünglich außerhalb des Friedhofs stand. Auf dem roh behauenen Granitstein sind die Gefallenen der Familie von Treskow aus den Kriegen 1870-1871, 1914-1918 sowie vom September 1939 verzeichnet. Bei der Anlage des Tierparks ab 1954 war der Stein weggeräumt und dann lange vergessen worden. Die ausgewaschenen Inschriften konnten erst anlässlich der Neuaufstellung auf dem Friedhof im Mai 2015 lesbar gemacht werden.

Mitglieder der Familie von Treskow bei der Übergabe des restaurierten Friedhofs und der Einweihung der Informationstafel
Mitglieder der Familie von Treskow bei der Übergabe des restaurierten Friedhofs und der Einweihung der Informationstafel

Gleichzeitig wurden zwei Epitaph-Steine in Erinnerung an Alexander (1856-1939) und Editha von Treskow (1864-1950) sowie Joachim (1888-1944) und Thea von Treskow (1916-1995) und deren Sohn Dieter von Treskow (1943-2015) aufgebaut, die mit dem letzten Schlossherrn verwandt waren. Am Freitag, 22. Mai 2015, wurde der restaurierte Friedhof der Familie von Treskow vom Förderverein von Tierpark und Zoo e.V. an die Öffentlichkeit übergeben und eine Informationstafel enthüllt.

„Als Förderverein ist es uns wichtig, dass wir die Geschichte des Parks in der Gegenwart und für die Zukunft bewahren. Der Tierpark Berlin ist nicht nur mit seiner Größe, sondern auch mit seiner Geschichte einzigartig.“,

so Thomas Ziolko, Vorsitzender der Freunde der Hauptstadtzoos.

Dr. Andreas Knieriem, Direktor vom Tierpark Berlin und Zoo Berlin:

„Mein Dank gilt dem bürgerschaftlichem Engagement der Freunde der Hauptstadtzoos, die mit viel Liebe zum Tierpark einen Beitrag zur Gestaltung leisten. Sie haben den Friedhof aus dem Schatten geholt.“

Michael von Treskow, selbst auch Mitglied im Förderverein vom Tierpark und vom Zoo, bedankte sich für das Engagement und betonte, dass es nicht nur ein Ort für die Familie ist:

„Daher ist diese Erbebegräbnisstätte auch ein Ort erfahrbarer Geschichte für die heutige Bevölkerung in Friedrichsfelde und Karlshorst, die jetzt mit einer Info-Tafel einen Teil der Geschichte erläutert und zum 750jährigen Jubiläum von Friedrichsfelde im neuen Glanz erstrahlt.“

Insgesamt hat die Restaurierung ca. 38.000 Euro gekostet; mit 14.000 Euro beteiligte sich das Landesdenkmalamt Berlin. Die übrigen Mittel sind von Spenden der Freunde der Hauptstadtzoos und der Familie von Treskow finanziert worden. Die Sanierung der Grabmahle erfolgte durch den Steinmetz-Meisterbetrieb Kagerer, bei dem wir uns herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken.

Hier können Sie sich die Informationstafel zum Friedhof runterladen: