Die Geschichte vom
Schloss Friedrichsfelde

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1685 bis heute

Die Geschichte vom Schloss Friedrichsfelde

Benjamin Raule
Benjamin Raule

Das heutige Friedrichsfelde, welches ursprünglich Rosenfelde hieß, wurde erstmals am 2. April 1265 erwähnt. Mit Sicherheit existierte Rosenfelde bereits Jahrzehnte davor und wurde im Zuge der deutschen Ostkolonisation durch die Markgrafen Johann I. (ca. 1213-1266) und Otto III. von Brandenburg (ca. 1215-1267) gegründet.

Als der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm (1620-1688), im Jahr 1682 einen ungenutzten Hof mit Gartenland dem Generaldirektor der kurbrandenburgischen Marine Benjamin Raule (1634-1707) übereignet, beginnt der Aufstieg des Dorfes zu einem Herrensitz und einer späteren Residenz.

Im Jahr 1685 lässt sich Benjamin Raule ein Lustschloss im holländischen Stil erbauen und erwirbt weitere Höfe und Flächen, so dass er 1696 Herr über das ganze Dorf ist. Gleichzeitig lässt er eine bedeutende Parkanlage im holländischen Stil errichten. Es entstand eine beeindruckende Gesamtanlage, die Kunst und Natur vereinte und auch den brandenburgischen Hof zu Besuchen nach Rosenfelde zog.

Lange konnte sich der Holländer an seinen umfangreichen Besitzungen jedoch nicht erfreuen. Als sein Gönner und Förderer Friedrich Wilhelm stirbt, ist sein Sturz so gut wie beschlossen. Friedrich III. (1657-1713), der spätere preußische König Friedrich I., lässt Raule wegen des Verdachts der Veruntreuung von Geldern 1698 verhaften und enteignen sowie ohne Gerichtsurteil in Spandau inhaftieren. Erst 1702 kommt er völlig verarmt wieder frei und stirbt 1707 in Hamburg.

Schloss Friedrichsfelde um 1789
Schloss Friedrichsfelde um 1789

Rosenfelde war nun wieder Besitz des Kurfürsten Friedrich III., der auch die Namensänderung des Dorfes und des Schlosses anordnet. Am 25. Januar 1699 wird der Name „Friedrichsfelde“ von der Kanzel in der Dorfkirche der Gemeinde verkündet

Sein Sohn, König Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) - der Soldatenkönig -, schenkte 1713 das leerstehende Schloss seinem Onkel, dem Markgrafen Albrecht Friedrich von Brandenburg-Schwedt (1672-1731). Er ließ 1719 durch den Architekten Martin Heinrich Böhme das Schloss auf die heutige Größe erweitern und nutzte Friedrichsfelde als Wohnschloss. Im Inneren des Schlosses ließ er die noch heute existierende Treppe einbauen.

Prinz Louis Ferdinand von Preußen
Prinz Louis Ferdinand von Preußen

Nach seinem Tod erbte sein Sohn Karl (1705-1762) das Schloss. Karl war ein enger Weggefährte von Friedrich dem Großen (1712-1786). Im Siebenjährigen Krieg wurde das Schloss zum Hauptquartier der russischen Truppen, die beim Abzug das Schloss plünderten und unbewohnbar machten. Nach schwerer Krankheit starb Karl 1762 in Breslau.

Der jüngste Bruder von Friedrich dem Großen, Prinz August Ferdinand von Preußen (1730-1813), erwarb 1762 das Schloss vom einzigen Erben des Markgrafen Karl als Sommerwohnsitz, in welchem er mit seiner Familie bis 1785 lebte. Er ließ nach dem Vorbild der Rheinsberger Residenz seines Bruders, Prinz Heinrich (1726-1802), Kavalierhäuser und Stallungen erbauen und erweiterte den Park. Unter Prinz August Ferdinand von Preußen wurde der Schlosspark zum größten östlich von Berlin gelegenen Park und das Schloss wurde eine königliche Residenz. Es entstanden das Wach- und Küchengebäude (heutiges Kassenhaus vom Tierpark) und mehrere kleinere Parkbauten. Am südlichen Ende des Park lag immer noch der Weinberg, welcher sich neben der heutigen Eisbärenanlage befand und bereits unter Markgraf Karl entstanden war. Das Schloss an sich veränderte er nicht.

Schloss Friedrichsfelde von der Nordseite mit dem Anbau, um 1810
Nordseite mit dem Anbau, um 1810

Prinz August Ferdinand residierte mit seiner Frau Anna Elisabeth Luise (1738-1820) und den Kindern 22 Jahre lang in Friedrichsfelde. Im Schloss wurden dem Prinzenpaar vier Söhne geboren, wovon Prinz Louis Ferdinand von Preußen (1772-1806) der bedeutendste Friedrichsfelder werden sollte.

Als Prinz Friedrich Ludwig Christian im Schloss Friedrichsfelde geboren, darf Louis Ferdinand als der schillerndste Preußenprinz gelten, der übrigens der Lieblingsneffe von Friedrich dem Großen war. Er ist in die Geschichte auch als „preußischer Apoll“ eingegangen und spielte begnadet Klavier und komponierte auch selbst.

Prinz August Ferdinand von Preußen wollte um 1775 das Schloss Friedrichsfelde umbauen und erweitern. Diese Umbaupläne wurden in Friedrichsfelde nicht umgesetzt, jedoch dienten sie als Grundlage für das Schloss Bellevue, welches August Ferdinand ab 1785 im Tiergarten erbauen ließ, um dichter an der Hauptstadt eine neue Residenz zu beziehen.

Im Jahr 1785 erwarben der Herzog Peter Biron von Kurland (1724-1800) und die Herzogin Anna Dorothea von Kurland, geb. von Medem (1761-1821) das Schloss Friedrichsfelde. Ihre Vorliebe für den Klassizismus ist noch heute im Schloss erlebbar. Sie ließen das Treppenhaus sowie den Festsaal frühklassizistisch umgestalten. Das Herzogspaar versammelte um sich viele Gelehrte, so waren Friedrich Nicolai (1733-1811), Karl Wilhelm Ramler (1725-1798) und Moses Mendelssohn (1729-1786) zu Besuch in Friedrichsfelde. Als 1795 das Herzogtum Kurland an Russland fiel, zogen sich Herzog Peter Biron und Herzogin Anna Dorothea nach Schlesien auf ihr Herzogtum Sagan zurück und verkauften im Jahr 1797 das Schloss Friedrichsfelde an Georg Jacob Decker jr. (1765-1819.

Der Berliner Oberhofbuchdrucker entstammte einer schweizerisch-elsässischen Buchdrucker- und Buchhändlerfamilie. Von seinem Vater übernahm er die Decker’sche Hofbuchdruckerei und kam zu einem stattlichen Vermögen. Durch Spekulationen verlor er einen großen Teil seines Vermögens, sodass er im Jahr 1800 gezwungen war, das Schloss wieder zu verkaufen. Neue Besitzerin wurde Prinzessin Katharina von Holstein-Beck (1750-1811).

Gefangener Sachsenkönig, Friedrich August I.
Gefangener Sachsenkönig, Friedrich August I.

Am russischen Zarenhof groß geworden, wurde sie 1767 auf Vermittlung von Katharina der Großen (1729-1796) mit dem Fürsten Iwan Sergejewitsch von Barjatinsky (1738-1811) verheiratet. Die Ehe wurde später geschieden, sodass sie ihren Mädchennamen führte. Unter Prinzessin Katharina von Holstein-Beck erhielt das Schloss Friedrichsfelde seine bis heute sichtbare klassizistische Außengestaltung, auf der Nordseite entstand ein kleiner Anbau. Sie nutzte Friedrichsfelde als Sommerwohnsitz und gab hier große Feste, zu denen Königin Luise (1776-1810) und Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770-1840) oft zu Besuch waren. 1805 besuchte sie der russische Zar Alexander I. in Friedrichsfelde.

Ein Jahr später musste sie erleben, wie die einrückenden Franzosen Friedrichsfelde besetzten. 20.000 Mann zogen am 26. Oktober 1806 in Friedrichsfelde ein und das Schloss wurde zum Hauptquartier. Zwei Tage später, am 28. Oktober 1806, nahm Napoleon I. in Friedrichsfelde eine Parade der Truppen ab, bevor diese nach Osten weiterzogen.

Nach dem Tod von Prinzessin Katharina von Holstein-Beck 1811 erbten ihre Kinder, Fürst Iwan Iwanowitsch von Barjatinsky (1767-1825) und Gräfin Anna Iwanowa von Tolstoi (1772-1825), das Schloss. Diese gestatteten, dass der auf der Seite Napoleons kämpfende erste König von Sachsen, Friedrich August I. (1750-1827) in Friedrichsfelde „Hof halten“ konnte, Friedrichsfelde wurde für kurze Zeit zum „Gefängnis“. Nach der Völkerschlacht von Leipzig (Oktober 1813) kam dieser in preußische Kriegsgefangenschaft. Zuerst im Berliner Stadtschloss inhaftiert, wurde Friedrich August nach Friedrichsfelde umquartiert und war von Juli 1814 bis Februar 1815 im Schloss Friedrichsfelde gefangen. Die Zahlung der Pacht erfolgte aus der Kasse des Königs selbst, der auch für seine Versorgung und die seiner Bediensteten aufkommen musste. Seine Regierungsgeschäfte führte er zu dieser Zeit von Friedrichsfelde aus, auch seine Hofhaltung kam nicht zu kurz. Mit seinem Abzug endete auch das höfische Leben in Friedrichsfelde.

Schloss Friedrichsfelde von der Südseite 1828
Schloss Friedrichsfelde von der Südseite 1828

Im Juni 1816 kaufte Carl von Treskow (1787-1846) von den Erben von Katharina von Holstein-Beck Schloss und Gut Friedrichsfelde. Carl von Treskow war ein Schüler des Landwirtschaftsreformers Albrecht Thaer (1752-1828) und baute Friedrichsfelde mit dem 1821 gegründeten Carlshorst zu einem hochproduktiven Mustergut aus. Im selben Jahr gestaltete der bedeutende Landschaftsarchitekt und Gartenkünstler Peter Joseph Lenné (1789-1866) im Auftrag von Carl von Treskow den Schlosspark zu einem englischen Landschaftsgarten um. Im historischen Parkbereich sind noch heute die von Lenné angelegten Sichtachsen zu finden. Im Zuge der Umgestaltung wird auch der Friedhof der Familie von Treskow, der sich heute in der Nähe der Eisbärenanlage befindet, angelegt.

1846 erbte Carl Sigismund (1819-1882) als drittältester Sohn von seinem Vater Friedrichsfelde. Er war Abgeordneter der Konservativen Partei und u.a. 1871-1874 Mitglied des Deutschen Reichstags. Seit 1854 war er mit Adelheid Gräfin von Haeseler (1833-1908) verheiratet, die einer Familie entstammte, die zur engsten Hofgesellschaft gehörte. Auf Einladung von Carl Sigismund war Theodor Fontane mehrfach zu Besuch in Friedrichsfelde, der dem „Charlottenburg des Ostends“ ein Kapitel in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ widmete.

Schloss Friedrichsfelde um 1919
Schloss Friedrichsfelde um 1919

Der letzte Schlossbesitzer aus der Familie von Treskow ist Sigismund von Treskow (1864-1945), der neben dem Ausbau der Gutswirtschaft eine politische Laufbahn einschlug. Er war 1899-1919 Mitglied im Brandenburgisch-Preußischen Landtag. Als Landrat des Kreises Niederbarnim 1898-1904 förderte er die Erschließung der nördlichen und östlichen Vororte Berlins mit Straßenbahn und Eisenbahn. Im Mai 1945 wurde er von der Roten Armee auf die Straße gesetzt und starb am 23. Mai 1945 in Dahlwitz. Er wurde als Letzter auf dem Familienfriedhof in Friedrichsfelde beigesetzt.

Eröffnung vom Tierpark Berlin 1955
Eröffnung vom Tierpark Berlin 1955

Im Mai 1945 wurde das Schloss durch sowjetische Truppen besetzt und in den Folgejahren Wohnort für Flüchtlinge und Vertriebene. Kurze Zeit war es auch Ferienlager und Erholungsheim für Bauarbeiter, bis es 1949 zur Verwaltungsschule umgebaut werden sollte. Dieses Projekt wurde schnell vom Magistrat von Berlin fallen gelassen, jedoch haben die begonnenen Umbaumaßnahmen den Bauzustand mehr verschlechtert als verbessert. Der großzügige Park verwilderte immer mehr und es entstanden Fußball- und Sportplätze. Die Bewohner der Siedlung „Eichenhof/Lindenhof“ betrachteten den Schlosspark als erweitertes Gartenland. Hühner, Katzen und Hunde streunten durch den Park, mehr und mehr Bäume dienten als Brennholz. Dies war der Zustand, als 1954 mit Dr. Heinrich Dathe (1910-1991) eine neue Epoche in der Geschichte vom Schloss begann und der Tierpark Berlin entstand.

Damals hatte noch keiner geahnt, dass dieser von Lenné gestaltete Park mit dem dazugehörigen Schloss der Ausgangspunkt war für eine zukünftige Berliner Sehenswürdigkeit. Der Schlosspark mit seiner märkischen Gartenkunst war die perfekte Kulisse für eine zoologische Einrichtung. Dathe hatte sich

„fest vorgenommen, daß der Glanz der Friedrichsfelder Anlagen eines Tages hinter denen Potsdams nicht zurückstehen dürfte. […] Wenn sie [die damals um den Schlosspark besorgten Berliner] gewußt hätten, wieviel Freude ich selbst an wertvollen Baudenkmälern habe und wie glücklich ich war über das Friedrichsfelder Schlößchen, das von Anfang an ein gewichtiges Wahrzeichen unseres Parks wurde, dann hätte man keine Bedenken gehabt.“

In der Gründungsphase vom Tierpark diente das Schloss provisorisch als Verwaltungssitz, in welchem der junge Tierparkdirektor Heinrich Dathe mit dem Team um den Architekten Heinz Graffunder (1926-1994) arbeitete.

Dathe war der Antrieb für die Wiedererstehung vom Schloss Friedrichsfelde. Er machte es zur Chefsache und begleitete jede Einzelheit der Restaurierung vom Schloss. 1967 begannen die ersten sichernden Stabilisierungsmaßnahmen an den Fundamenten.

Am 11. Juni 1981 war es dann soweit. Das Schloss Friedrichsfelde wurde im restaurierten Zustand den Berlinerinnen und Berlinern übergeben. Das Schloss wurde für Vorträge und Kammermusik genutzt und war als Museum für den Tierpark-Besucher zugänglich.

2009 übernimmt der Förderverein von Tierpark und Zoo Berlin e.V. die museale Betreuung und die Organisation von Konzerten und Veranstaltungen, seit 2010 findet jedes Jahr Ende August das Schlossfest statt, welches sich in den Jahren zum größten Barock- und Rokokofest in der Region entwickelt hat. Neben Konzerten, Tanzveranstaltungen und Kostümfesten kann das Schloss auch für private oder offizielle Anlässe angemietet werden. Es ist zudem eine sehr beliebte Kulisse für internationale und nationale Film- und Fernsehproduktionen. Im Erdgeschoss befindet sich seit 2015 auch eine Ausstellung über die Geschichte vom Schloss Friedrichsfelde.

Literaturempfehlungen

Friedrichsfelde - Der Ort, das Schloss, die Geschichte, Herausgeber: Klaus-Dieter Stefan
Friedrichsfelde - Der Ort, das Schloss, die Geschichte, Herausgeber: Klaus-Dieter Stefan

Schloss Friedrichsfelde - Der Ort. Das Schloss. Die Geschichte

Ein Buch von Klaus-Dieter Stefan (Hrsg.)

Anlässlich des 750-jährigen Jubiläums von Friedrichsfelde und des 330-jährigen Jubiläums vom Schloss Friedrichsfelde 2015 erschien erstmals eine umfassende Darstellung und Würdigung der facettenreichen Geschichte dieses Ortsteils von Berlin, die mit dem Wirken hervorragender, oft auch widersprüchlicher Persönlichkeiten verbunden ist. Gerade die Geschichte des Schlosses erzählt von Aufstieg und Niedergang, von Glanz und Gloria, von Ruin und Wiedergeburt eines bedeutenden Herrschaftssitzes, von seiner weit reichenden Perspektive in der Gegenwart.

2. Auflage 2016, ca. 240 Seiten, ca. 100 Abbildungen, Hardcover, 21 x 21 cm

Preis: 21,95 Euro

ISBN: 978-3-930388-91-2

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Schloss Friedrichsfelde - Thomas Ziolko und OLaf Lange
Schloss Friedrichsfelde - Thomas Ziolko und OLaf Lange

Schloss Friedrichsfelde - Ein kleiner Rundgang

Einen kleiner Rundgang auf 48 Seiten durch die Geschichte und die Räume vom Schloss Friedrichsfelde.

1. Auflage 2015, mit zahlreichen Abbildungen, Plänen und Karten, Klappenbroschur, 12,2 x 17,0 cm

Preis: 5,95 Euro

ISBN 978-3-930388-99-8

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